Samstag, 25. September 2010

Lungenembolie

Ich liege gerade hier im Klinikum Nord in mein Bett und verfolge den Berlinmarathon… aber anscheinend kann ich von Glück reden, dass ich noch lebe. Auch wenn ich es gar nicht so wahrnehme, denn eigentlich geht es mir soweit ganz gut, ich bin 100% mobil, habe keine Beschwerden, eigentlich alles in Ordnung… eigentlich…

Angefangen hatte alles Ende August mit einem leichten Zwicken in der rechten Wade, was dann schlimmer wurde und ich kaum noch gehen konnte. Ich war dann gleich in Behandlung, denn der Verdacht auf Muskelzerrung/ -faserriss war recht hoch. Nach ca. einer Woche war ich erstmalig wieder locker, es ging, aber bereits beim zweiten Lauf hatte ich doch etwas mit Atemnot zu kämpfen, zudem bekam ich Schmerzen im rechten Brustkorbbereich, die dann so schlimm wurde, dass ich nur mit Schmerz- und Schlafmittel die Nacht überstand. Naheliegend war, dass ich zum Orthopäden gehe, denn eine unbewusste Disbalance aufgrund der Schmerzen in der rechten Wade hätte ja durchaus zu einem ausgerenkten Wirbel führen können. Der Orthopäde hatte mich dann „eingerenkt“, mir eine Spritze verpasst und meinte, dass ich weitere 2-3 Tage ruhig machen sollte.
Als ich dann versucht hatte wieder mein Training aufzunehmen, hatte ich wieder diese doch starken Atembeschwerden. Dummerweise hatte ich noch einen workshop in Wien, sodass ich die Woche über mit Schmerzen verbrachte, mir Gedanken machte wie man den scheinbar blockierten Wirbel schnellsten behandelt könnte und habe auch Hawaii in immer größere Ferne rücken sehen...
Bei einen weiteren Besuch beim Orthopäden wurde ein entzündeten Nerv diagnostiziert, er hat mir eine Cortisonspritze gegeben und mind. 5 Tage Ruhe verordnet, was für mich dann das endgültige Aus für Hawaii bedeutete. Ich habe dann schweren Herzens die Reise storniert.
Ich hatte einige per mail darüber informiert. Allerdings hat Werner Bruns die Diagnose vom Orthopäden doch sehr in Frage gestellt und mir nahe gelegt, einen weiteren Arzt aufzusuchen, um eine Herzmuskelentzündung und eine Lungenembolie auszuschließen. Ich war dann Freitagnachmittag noch bei einem einen Allgemeinarzt, der ein EKG, LuFu, Dopplertest etc. gemacht hatte und eine Herzmuskelentzündung zu 100% und eine Lungenembolie zu 85% ausschloss. Ich hätte direkt in die Notaufnahme gehen können, um zu 100% auch die Embolie auszuschließend, wollte aber noch das Wochenende abwarten. Am Montagabend ist mir dann alles zu dumm geworden. Ich war noch mit Denise Rad fahren und selbst der kleine Anstieg am Kanal brachte mich völlig außer Atem. Mir war klar, dass KEIN Zusammenhang zwischen dem entzündeten Nerv und der Atemnot bestehen kann. So habe ich nochmals mit dem Werner telefoniert und gleich am Dienstagmorgen einen Termin beim Pneumologen hier in der Klinik ausgemacht. Ultraschall, Röntgenbild (Pneumothorax) etc., hat alles keinen Aufschluss gegeben, ganz im Gegenteil, ich müsste topfit sein. Der Arzt wusste auch nicht so recht und empfahl noch weitere Untersuchungen. Als ich nachmittags noch einmal in der Klinik anrief, kamen gerade meine Blutwerte rein, die soweit sehr gut waren, nur die D-Dimere waren sehr hoch (20fach). Der Oberarzt empfahl dann doch noch das CT machen zu lassen, um eben die restlichen 2% Unsicherheit für eine Embolie auszuschließen. So radelte ich am Mittwochmorgen wieder hierher, hatte um 8:30h das CT und 10min später war alles anders, ich durfte nicht mehr aufstehen, sofort stationäre Behandlung, das volle Programm, ich war total überfordert. Eigentlich wollte nach Hause, dort wartete mein Kaffee auf mich, der Haustermin etc., aber ich war hier „gefangen“. Nachmittags wurde erneut ein Ultraschall gemacht, dann wurde auch eine Thrombose im rechten Oberschenkel hinunter bis zur Wade festgestellt. Als nachmittags Denise vorbeikam und mir ein paar Sachen brachte, war ich schon entspannter, aber irgendwie war alles surreal…
Nun, heute ist Sonntag, ich werde wohl noch bis Dienstag oder Mittwoch hier bleiben müssen, ich bekomme täglich mein Heparin gespritzt und werde jetzt 6 Monate lang Marcumar nehmen müssen, einem blutgerinnungshemmenden Medikament, dazu 6 Monate lang Thrombosestrümpfe, Bewegung ja, aber natürlich kein Leistungssport.
Ich weiß nicht was kommen wird, aber ich habe die Tage jetzt so viel Zuspruch und Besuch bekommen, ich weiß, dass ich mich auf viele viele Freunde stützen kann.
Zumindest weiß ich jetzt was ich habe, Thrombose und keine Muskelzerrung, Mikroembolien und kein entzündeter Nerv. Ich weiß, dass es zu 100% therapierbar ist, keine Schäden zurückbleiben und ich in absehbarer Zeit wieder „der Alte“ sein werde. Ich denke auch, dass ich mir keinerlei Vorwürfe machen brauche nicht gehandelt zu haben, ganz im Gegenteil, ich war vernünftig Hawaii abzusagen, vernünftig hartnäckig in der Diagnose geblieben zu sein, weiß aber auch, dass ich dem Werner zu großen Dank verpflichtet bin.
So ganz kann ich es immer noch nicht greifen, dann es geht mir körperlich ja echt ganz, und dass ich 3 Wochen mit einer Embolie umhergelaufen bin und dies tödlich hätte enden können… ich kann es nicht greifen… und will es auch nicht, ich orientiere mich an positive Beispiele und blicke zuversichtlich in die Zukunft!!

Euer Thorsten